Update Juni 2026: Das EU-Omnibus-Paket hat den Weg von der Gesetzesinitiative zur verabschiedeten Richtlinie zurückgelegt. Die Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470, auch bekannt als Omnibus I, ist am 18. März 2026 in Kraft getreten. Sie schränkt den Anwendungsbereich der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erheblich ein, passt Zeitpläne an und reduziert Berichtspflichten für viele Unternehmen. Nachhaltigkeitstransparenz, Lieferkettendaten und produktbezogene Umweltinformationen bleiben jedoch strategisch wichtig – für Unternehmen, die sich auf künftige Compliance-Anforderungen, Kundenanfragen und datenbasierte Entscheidungen vorbereiten.
Die CSRD ist nicht verschwunden. Sie wurde vereinfacht, für viele Unternehmen zeitlich verschoben und auf größere Unternehmen fokussiert – und schafft damit ein wertvolles Zeitfenster, um solide Nachhaltigkeitsdaten-Grundlagen aufzubauen.
- CSRD Omnibus 2026 – Übersicht
- Vom Omnibus-Vorschlag zur Omnibus-Richtlinie
- Was hat sich durch den CSRD Omnibus geändert?
- Neuer CSRD-Anwendungsbereich und Schwellenwerte
- Was die ESRS-Vereinfachung bedeutet
- Warum Lieferketten- und Produktdaten weiterhin wichtig sind
- Strategische Auswirkungen für Unternehmen
- Wie IPOINT Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsdaten-Readiness unterstützt
- Häufig gestellte Fragen
CSRD Omnibus 2026 – Übersicht
- Rechtsstatus: Die Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 ist am 18. März 2026 in Kraft getreten.
- Hauptziel: Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Sorgfaltspflichten, Abbau bürokratischen Aufwands und Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.
- Neuer CSRD-Anwendungsbereich: Berichtspflichtige Unternehmen sind künftig solche mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz.
- Erleichterungen für KMU: Börsennotierte KMUs entfallen aus dem verpflichtenden CSRD-Anwendungsbereich; freiwillige Berichterstattung bleibt möglich.
- Zeitplan: EU-Mitgliedsstaaten müssen die Änderungen bis März 2027 in nationales Recht umsetzen.
- ESRS-Vereinfachung: Überarbeitete Entwürfe reduzieren verpflichtende Datenpunkte und vereinfachen die Wesentlichkeitsanalyse.
- Lieferkettenregelung: Große Unternehmen dürfen von kleineren Lieferkettenpartnern nur noch begrenzte Nachhaltigkeitsdaten anfordern.
- Strategische Bedeutung: Auch Unternehmen außerhalb des direkten CSRD-Anwendungsbereichs werden weiterhin Nachhaltigkeitsdaten von Kunden, Investoren und Lieferkettenpartnern bereitstellen müssen.
Vom Omnibus-Vorschlag zur Omnibus-Richtlinie
Am 26. Februar 2025 veröffentlichte die EU-Kommission den mit Spannung erwarteten Simplification-Omnibus-Vorschlag mit dem Ziel, die CSRD-Berichtspflichten zu reduzieren und die Richtlinie besser mit der EU-Taxonomie, den ESRS und der CSDDD zu verzahnen. Nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens ist die Omnibus-Richtlinie am 18. März 2026 als Directive (EU) 2026/470 in Kraft getreten. Unternehmen können ihre Planung nun auf geltendes EU-Recht stützen – nicht mehr nur auf einen politischen Vorschlag.
Die Richtung ist klar: Weniger Unternehmen unterliegen direkten Berichtspflichten, Standards werden vereinfacht, und der Trickle-down-Effekt auf kleinere Unternehmen wird begrenzt. Die grundlegende Logik der Nachhaltigkeitstransparenz bleibt jedoch bestehen – für direkt betroffene Unternehmen ebenso wie für viele andere, die indirekt über ihre Lieferketten betroffen sind.
Was hat sich durch den CSRD Omnibus geändert?
Die Omnibus-Richtlinie macht den Rahmen verhältnismäßiger und weniger aufwändig – insbesondere für kleinere Unternehmen. Die wesentlichen Änderungen im Überblick:
- Engerer Anwendungsbereich: Viele bisher betroffene Unternehmen dürften künftig nicht mehr berichtspflichtig sein.
- Höhere Schwellenwerte: Berichtspflichten gelten grundsätzlich für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz.
- Erleichterungen für KMU: Börsennotierte KMUs entfallen aus dem Pflichtanwendungsbereich; freiwillige Berichterstattung bleibt eine Option.
- Zeitliche Verschiebung: Mitgliedsstaaten müssen die Änderungen bis März 2027 in nationales Recht umsetzen.
- Vereinfachte ESRS: Weniger verpflichtende Datenpunkte und eine handhabbare Wesentlichkeitsanalyse.
- Reduzierter Lieferketten-Aufwand: Grenzen für Nachhaltigkeitsdatenanfragen großer Unternehmen gegenüber kleineren Partnern.
- Prüfungspflicht: Begrenzte Prüfsicherheit bleibt der Standard; eine Ausweitung auf hinreichende Prüfsicherheit ist kurzfristig nicht vorgesehen.
Neuer CSRD-Anwendungsbereich und Schwellenwerte
Nach dem überarbeiteten Rahmen gilt die Nachhaltigkeitsberichterstattungspflicht grundsätzlich für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz – eine deutliche Einschränkung gegenüber dem bisherigen Anwendungsbereich. Auch Nicht-EU-Unternehmen mit erheblichem EU-Umsatz können betroffen sein.
Unternehmen außerhalb des direkten Anwendungsbereichs sollten dies nicht als vollständige Entlassung aus Nachhaltigkeitserwartungen verstehen. Lieferanten aus Branchen wie Automotive, Elektronik, Maschinenbau oder Chemie müssen ihren Kunden, die weiterhin berichtspflichtig sind, unter Umständen weiterhin Produkt-, Emissions- oder Lieferkettendaten bereitstellen.
Was die ESRS-Vereinfachung bedeutet
Überarbeitete ESRS-Entwürfe reduzieren verpflichtende Datenpunkte und vereinfachen die Wesentlichkeitsanalyse – das senkt Komplexität und Berichterstattungskosten. Für Reporting-Teams bedeutet das einen kürzeren Nachhaltigkeitsbericht. Der grundlegende Bedarf an verlässlichen Daten entfällt jedoch nicht. Unternehmen müssen weiterhin verstehen, wo Umweltauswirkungen entstehen, wie Produkt- und Lieferkettenentscheidungen Emissionen beeinflussen und welche Daten belastbar genug sind, um interne Entscheidungen und externe Kommunikation zu tragen.
Warum Lieferketten- und Produktdaten weiterhin wichtig sind
Product Carbon Footprints (PCF), Life Cycle Assessments (LCA) und Environmental Product Declarations (EPD) setzen produkt- und lieferantenspezifische Informationen voraus, die sich nicht kurzfristig zusammenstellen lassen. Sie erfordern strukturierte Prozesse, klare Verantwortlichkeiten, konsistente Datenmodelle und Tools, die Produkt-, Material-, Lieferanten- und Emissionsdaten miteinander verknüpfen.
Die CSRD-Berichterstattung operiert auf Corporate-Ebene – sie erfasst die gesamten Umweltauswirkungen, Risiken und Governance eines Unternehmens, etwa über den Corporate Carbon Footprint (mehr zu Scope-3-Emissionen unter der CSRD hier). Die Daten, die in diese Berichte einfließen, entstehen und werden jedoch häufig auf Produktebene erfasst: Stücklistendaten, Emissionsfaktoren von Lieferanten, Materialzusammensetzungen und prozessspezifischer Energieverbrauch. Unternehmen, die bereits solide produktbezogene Datengrundlagen aufgebaut haben – etwa für PCF, LCA oder EPD – sind damit besser positioniert, diese Daten für die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf Corporate-Ebene zu aggregieren. Umgekehrt haben Unternehmen, die ihre CSRD-Dateninfrastruktur erst aufbauen, jetzt die Chance, dies von Anfang an so zu gestalten, dass sie auch produktbezogene Anforderungen abdeckt.
Für viele Industrieunternehmen lautet die strategische Frage daher nicht nur: „Sind wir direkt berichtspflichtig?" – sondern auch: „Haben wir die Datenbasis, um Nachhaltigkeitsfragen von Kunden, Regulatoren, Investoren und internen Entscheidern zu beantworten?"
Strategische Auswirkungen für Unternehmen
Der CSRD Omnibus schafft Handlungsspielraum – und eine strategische Chance. Unternehmen haben jetzt mehr Zeit, die richtigen Grundlagen aufzubauen, statt sich in fragmentierte Berichterstattungsprozesse zu stürzen. Wichtige Schritte im Überblick:
- Prüfen, ob das Unternehmen unter den neuen Schwellenwerten weiterhin direkt berichtspflichtig ist
- Nationale Umsetzung und künftige ESRS-Aktualisierungen verfolgen
- Nachhaltigkeitsdatenlücken über Produkte, Materialien, Lieferanten und Prozesse identifizieren
- Governance-Strukturen für Nachhaltigkeits- und Umweltdaten aufbauen
- Kundenanfragen zu PCF, LCA, EPD und Scope 3 proaktiv vorbereiten
- Compliance- und Nachhaltigkeitsdaten verknüpfen statt in Silos zu verwalten
- Digitale Lösungen für skalierbare, prüffähige Nachhaltigkeitsdaten evaluieren
Ein „Noch nicht" bedeutet kein „Nicht mehr". Unternehmen, die jetzt vorausschauend handeln, verschaffen sich später einen klaren Vorteil – in Sachen Transparenz, Strategie und Wettbewerb.
Andreas Schiffleitner, IPOINT Product Manager Sustainability
Auch Verdantix bezeichnet die durch den Omnibus entstandene Verschiebung als strategische Chance. In „The CSRD, the Omnibus and the Case for a Reset" stellt die unabhängige Analysefirma fest, dass 20 % von 280 befragten Unternehmen angaben, die Änderungen würden ihre Investitionen in ESG- und Nachhaltigkeitssoftware sogar erhöhen.
Statt die durch den Omnibus ausgelöste Verschiebung als Rückschlag zu betrachten, sollten Unternehmen sie als strategisches Zeitfenster nutzen – um neu anzusetzen, die richtigen Grundlagen zu legen und Reporting-Bemühungen zu bündeln.
Quelle: Verdantix – The CSRD, the Omnibus and the Case for a Reset
Wie IPOINT Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsdaten-Readiness unterstützt
Die nächste Phase des Nachhaltigkeitsmanagements wird weniger um die Erstellung umfangreicher Berichte gehen und mehr darum, verlässliche, wiederverwendbare und entscheidungsrelevante Datengrundlagen aufzubauen. IPOINT unterstützt Unternehmen dabei, Produkt-, Material-, Lieferanten-, Prozess- und Nachhaltigkeitsdaten zu strukturieren und auszuwerten – für PCF, LCA, EPD, digitale Produktpässe, Lieferkettentransparenz und CSRD-bezogene Anforderungen.
Nachhaltigkeitsdaten-Grundlagen für fundierte Entscheidungen aufbauen
Erfahren Sie, wie IPOINT Unternehmen dabei unterstützt, Produkt-, Lieferketten- und Nachhaltigkeitsdaten in entscheidungsrelevante Erkenntnisse für PCF, LCA, EPD, CSRD-Anforderungen und langfristige nachhaltige Wertschöpfung umzuwandeln.
Fazit: Warum Unternehmen jetzt handeln sollten
Die CSRD ist nicht verschwunden. Die Omnibus-Richtlinie hat ihren Anwendungsbereich eingeschränkt, Anforderungen vereinfacht und mehr Zeit gegeben – doch der Bedarf an verlässlichen Nachhaltigkeitsdaten bleibt bestehen. Unternehmen, die diese Phase strategisch nutzen, können über reaktive Berichterstattung hinausgehen und Grundlagen für bessere Entscheidungen, stärkere Kundenbeziehungen und langfristige Wettbewerbsfähigkeit schaffen.
Häufig gestellte Fragen
Gilt die CSRD nach den Omnibus-Änderungen noch?
Ja. Die CSRD bleibt Bestandteil des europäischen Nachhaltigkeitsrechts. Die Omnibus-Richtlinie schränkt ihren Anwendungsbereich jedoch erheblich ein, passt Zeitpläne an und vereinfacht Berichtspflichten. Unternehmen sollten prüfen, ob sie weiterhin direkt berichtspflichtig sind, und die nationale Umsetzung verfolgen.
Welche Unternehmen sind vom neuen CSRD-Anwendungsbereich betroffen?
Grundsätzlich Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz. Auch Nicht-EU-Unternehmen mit erheblichem EU-Umsatz können betroffen sein. Viele kleinere Unternehmen entfallen aus dem Pflichtanwendungsbereich, müssen aber unter Umständen weiterhin Nachhaltigkeitsdaten für Kunden oder Lieferkettenpartner bereitstellen.
Entfällt durch den CSRD Omnibus der Bedarf an Scope-3- und Lieferkettendaten?
Nein. Lieferketten- und Scope-3-Daten bleiben für ein glaubwürdiges Klima- und Nachhaltigkeitsmanagement unverzichtbar. PCF, LCA, EPD und kundenseitige Nachhaltigkeitsanfragen setzen weiterhin verlässliche Lieferkettendaten voraus.
Was ändert sich bei den ESRS durch die Omnibus-Vereinfachung?
Die ESRS werden überarbeitet, um Datenpunkte zu reduzieren, die Wesentlichkeitsanalyse zu vereinfachen und Berichterstattung praktikabler zu gestalten. Das senkt die Komplexität, beseitigt aber nicht den Bedarf an strukturierten, prüffähigen Nachhaltigkeitsdaten.
Warum sollten Unternehmen vorsorgen, wenn sie nicht mehr direkt berichtspflichtig sind?
Unternehmen außerhalb des direkten Anwendungsbereichs müssen möglicherweise weiterhin Nachhaltigkeitsinformationen an Kunden, Investoren oder berichtspflichtige Unternehmen liefern. Wer PCF-, LCA-, EPD- und Lieferkettendaten jetzt aufbaut, kann Markterwartungen schneller erfüllen und seine Wettbewerbsposition stärken.
Wie können digitale Tools die CSRD-Readiness unterstützen?
Digitale Lösungen helfen Unternehmen dabei, Nachhaltigkeitsdaten über Produkte, Materialien, Lieferanten, Prozesse und Lieferketten zu erfassen, zu strukturieren, zu validieren und auszuwerten – zur Unterstützung von PCF, LCA, EPD, Product Compliance und nachhaltigkeitsorientierter Entscheidungsfindung.

