Die CO₂-Bepreisung ist seit 2021 ein zentrales Klimaschutzinstrument in Deutschland – und entwickelt sich rasant weiter. 2026 markiert einen Wendepunkt: Erstmals werden Emissionszertifikate im nationalen System versteigert, und ab 2028 übernimmt der europäische EU-ETS 2. Was das für Ihr Unternehmen bedeutet und wie Sie Ihre CO₂-Bilanz effektiv managen, zeigt dieser Artikel.
- CO₂-Bepreisung Deutschland: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Hintergrund der CO₂-Bepreisung
- Indirekte CO₂-Kosten entlang der Lieferkette
- Was bedeutet der CO₂-Preis 2026 für mein Unternehmen?
- Ausblick: EU-ETS 2 und die Zukunft der CO₂-Bepreisung
- Wie kann ich meine CO₂-Bilanz ermitteln und Kosten senken?
- Häufig gestellte Fragen
CO₂-Bepreisung Deutschland: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
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Das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) bepreist seit 2021 CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen in den Sektoren Wärme und Verkehr.
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2026 gilt erstmals ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂ – die Zertifikate werden an der Energiebörse EEX versteigert; ein Festpreisverkauf ist zu 68 Euro möglich.
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Ab 2028 löst der europäische Emissionshandel EU-ETS 2 das nationale System weitgehend ab; der CO₂-Preis bildet sich dann marktbasiert ohne staatlich festgelegten Rahmen.
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Die Mehrkosten werden entlang der gesamten Lieferkette weitergegeben – das betrifft auch indirekte Emissionen (Scope 2 und 3).
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Laut Weltbank-Bericht 2025 decken CO₂-Bepreisungsinstrumente weltweit bereits rund 28 % der globalen Treibhausgasemissionen ab – gegenüber nur 7 % zu Beginn der Berichtsreihe.
Hintergrund der CO₂-Bepreisung
Der EU-weite Emissionshandel (EU-ETS 1) ist seit 2005 ein zentrales Klimaschutzinstrument der Europäischen Union. Er erfasst die Emissionen aus der Stromerzeugung, energieintensiven Industrien sowie dem Luft- und Seeverkehr und legt für diese Sektoren einen Preis auf jede ausgestoßene Tonne CO₂ fest.
Um den Anwendungsbereich auch auf die Sektoren Verkehr und Wärme auszuweiten, hat die Bundesregierung 2021 das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) auf Basis des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) eingeführt. Es verpflichtet Inverkehrbringer fossiler Brennstoffe – also Gaslieferanten, Mineralölunternehmen und Kohlelieferer – zur Abgabe von Emissionszertifikaten für jede Tonne CO₂, die durch die Verbrennung ihrer Produkte entsteht. Die Mehrkosten geben diese Unternehmen über höhere Brennstoffpreise an Endverbraucher und Unternehmen weiter.
Die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung fließen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Aus diesem Fonds finanziert der Bund u. a. den Heizungstausch, die energetische Sanierung von Gebäuden und die Transformation der Industrie hin zur Treibhausgasneutralität.
Das nEHS hat seinen Ursprung im Klimaschutzprogramm 2030, das im Oktober 2019 von der Bundesregierung beschlossen wurde. Es soll einen ökonomischen Anreiz für Energiesparmaßnahmen sowie für den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien schaffen. Laut dem aktuellen Weltbank-Bericht „State and Trends of Carbon Pricing 2025" gibt es weltweit inzwischen 75 Instrumente zur CO₂-Bepreisung; rund 28 % der globalen Treibhausgasemissionen sind damit abgedeckt – gegenüber nur 7 % zu Beginn der Weltbank-Berichtsreihe.
(Die Weltbank, Stand 2021)
Indirekte CO₂-Kosten entlang der Lieferkette
Zunächst könnte man annehmen, dass die CO₂-Bepreisung nur die eigenen Scope-1-Emissionen betrifft – also jene Emissionen, die ein Unternehmen direkt freisetzt. Tatsächlich werden die Mehrkosten jedoch entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgerollt, sodass auch Scope-2- und Scope-3-Emissionen indirekt bepreist werden.
Das bedeutet: Unternehmen tragen nicht nur höhere Kosten für ihren eigenen Energieverbrauch, sondern auch für CO₂-Emissionen, die in vorgelagerten Lieferantenstufen oder durch den Transport entstehen. Zugleich verpflichtet die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie CSRD viele Unternehmen dazu, diese Emissionen transparent zu erfassen und zu berichten – was die finanzielle und regulatorische Relevanz der CO₂-Bepreisung weiter erhöht.
Was bedeutet der CO₂-Preis 2026 für mein Unternehmen?
Die Mehrkosten für den Ausstoß von CO₂ werden auf die gesamte Liefer- und Produktionskette umgelegt. Sowohl Unternehmen als auch Endverbraucher müssen daher mit Preisaufschlägen auf fossile Brennstoffe rechnen.
Seit der Einführung des nEHS im Jahr 2021 stieg der CO₂-Festpreis schrittweise: von 25 Euro pro Tonne (2021) über 45 Euro (2024) auf 55 Euro pro Tonne im Jahr 2025. 2026 markiert das Ende der Festpreisphase: Erstmals werden Emissionszertifikate in einem Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂ an der Energiebörse EEX versteigert – voraussichtlich ab Juli 2026.
Reicht die verfügbare Zertifikatmenge bei den Versteigerungen nicht aus, können nEHS-Zertifikate im Anschluss zu einem Festpreisverkauf von 68 Euro je Zertifikat erworben werden. Noch 2027 ist ein Nachkauf von 2026er Zertifikaten für 70 Euro je Zertifikat möglich – begrenzt auf zehn Prozent der im Jahr 2026 erworbenen Menge.
Für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch aus fossilen Brennstoffen bedeutet das: Die CO₂-bedingten Kosten steigen mit dem Zertifikatspreis. Laut Bundesumweltministerium führt der Preiskorridor 2026 zu einem Aufschlag von bis zu rund 3 Cent pro Liter bei Benzin und Diesel sowie bis zu 0,22 Cent pro Kilowattstunde bei Erdgas (jeweils inkl. MwSt.).
Energieintensive Unternehmen – etwa in der Produktion, im Transport oder in der Logistik – sollten ihre CO₂-Exposition gezielt berechnen und Einsparpotenziale identifizieren. Frühzeitiges Handeln schafft Kostenvorteile und stärkt gleichzeitig die Nachhaltigkeitspositionierung gegenüber Kunden und Investoren.
Ausblick: EU-ETS 2 und die Zukunft der CO₂-Bepreisung
2026 ist ein Übergangsjahr: Das nEHS läuft weiter, der Preis bildet sich jedoch erstmals marktbasiert. Der nächste entscheidende Schritt kommt 2028: Das EU-Parlament hat im November 2025 beschlossen, den Start des europäischen Emissionshandels für Wärme und Verkehr (EU-ETS 2) um ein Jahr zu verschieben – von ursprünglich 2027 auf 2028.
Mit dem EU-ETS 2 entfällt der staatlich festgelegte Preisrahmen vollständig. Der CO₂-Preis bildet sich dann durch Angebot und Nachfrage auf einem europäischen Markt, ähnlich wie bereits heute im EU-ETS 1 für Industrie und Energie. Die Preise können dadurch stärker schwanken – was die Planbarkeit für Unternehmen erschwert, aber auch den Anreiz zur frühzeitigen Dekarbonisierung erhöht.
Für Unternehmen bedeutet das: Je früher sie ihre CO₂-Emissionen reduzieren, desto weniger sind sie von steigenden und volatileren Zertifikatspreisen betroffen. Parallel dazu erhöht der Übergang zum EU-ETS 2 die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung, da CO₂-Kosten künftig stärker als finanzielle Risikoposition in der Unternehmensplanung berücksichtigt werden müssen.
Wie kann ich meine CO₂-Bilanz ermitteln und Kosten senken?
Mit der LCA-Software Umberto von IPOINT lässt sich eine genaue Bilanz des Energieverbrauchs erstellen und entsprechende Verbesserungs- und Einsparpotenziale identifizieren. Das Prinzip der Kohlenstofftransparenz – das systematische Erfassen und Offenlegen von Emissionen innerhalb von Wertschöpfungs- und Produktionsketten – ist dabei der entscheidende Ausgangspunkt.
Mit Umberto lassen sich nicht nur direkte Emissionen (Scope 1) mit genauen Kosten verbinden, sondern auch Optimierungspotenziale für den gesamten Corporate Carbon Footprint (Scope 1–3) identifizieren. Gerade mit Blick auf den Übergang zum EU-ETS 2 und die wachsenden CSRD-Berichtspflichten ist eine vollständige Emissionsbilanz über alle drei Scopes keine optionale Maßnahme mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Kontaktieren Sie gerne das IPOINT-Team für Nachhaltigkeitsberatung und vereinbaren Sie einen individuellen Beratungstermin.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch wird die CO₂-Abgabe ab 2027?
Für 2027 gilt eine Übergangsregelung im nEHS. Ab 2028 übernimmt der europäische Emissionshandel EU-ETS 2 die CO₂-Bepreisung für Wärme und Verkehr; der Preis bildet sich dann marktbasiert und ist nicht mehr staatlich gedeckelt.
Wie steigt der CO₂-Preis bis 2030?
Bis 2026 bewegt sich der Preis im nEHS-Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Ab 2028 bestimmt der marktbasierte EU-ETS 2 den Preis – Experten rechnen langfristig mit deutlich höheren Werten, da die verfügbare Zertifikatmenge jährlich sinkt.
Wann wird der CO₂-Preis 2026 festgelegt?
2026 gibt es keinen staatlich festgelegten Festpreis mehr. Die Preisbildung erfolgt über Versteigerungen an der Energiebörse EEX, voraussichtlich ab Juli 2026, im Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂.
Wie entwickelt sich die CO₂-Bepreisung in Deutschland?
Deutschland startete 2021 mit einem Festpreis von 25 Euro pro Tonne im nEHS, der bis 2025 schrittweise auf 55 Euro stieg. 2026 folgt die erste Versteigerungsphase (55–65 Euro/t), bevor ab 2028 der europäische EU-ETS 2 die nationale Regelung weitgehend ablöst.
Was ist das nEHS und wer ist davon betroffen?
Das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) verpflichtet Inverkehrbringer fossiler Brennstoffe – also Gaslieferanten, Mineralölunternehmen und Kohlelieferer – zur Abgabe von Emissionszertifikaten. Sie geben die Mehrkosten über höhere Brennstoffpreise an Unternehmen und Endverbraucher weiter.
Wie wirkt sich die CO₂-Bepreisung auf Scope-3-Emissionen aus?
Die CO₂-Mehrkosten werden entlang der Lieferkette weitergegeben, was indirekt auch Scope-3-Emissionen verteuert. Für Unternehmen mit CSRD-Berichtspflicht ist das besonders relevant, da steigende CO₂-Kosten die Lieferantenkalkulation direkt beeinflussen.
