Was ist IMDS? Ein praktischer Leitfaden für Automobilzulieferer

Was ist IMDS? Ein praktischer Leitfaden für Automobilzulieferer

Das International Material Data System (IMDS) ist der globale Standard für den Austausch von Materialdaten in der Automobilindustrie. OEMs weltweit fordern von Lieferanten die Einreichung detaillierter Materialzusammensetzungen über diese Plattform, um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu gewährleisten und Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.

Dieser Leitfaden erklärt, was IMDS ist, warum es wichtig ist, welche Daten Lieferanten einreichen müssen und wie das System mit Vorschriften wie REACH, RoHS und ELV zusammenhängt. Außerdem wird erläutert, wie IMDS mit dem Production Part Approval Process (PPAP) integriert ist, und es werden typische Herausforderungen aufgezeigt, mit denen Lieferanten beim Umgang mit Materialdaten in komplexen Automobillieferketten konfrontiert sind.

International Material Data System (IMDS): Wichtigste Fakten auf einen Blick

  • IMDS ist die universelle Plattform der Automobilindustrie für den Austausch von Materialzusammensetzungsdaten zwischen OEMs und Lieferanten in globalen Lieferketten.

  • Lieferanten müssen Materialdatenblätter (MDS) einreichen, die chemische Zusammensetzung, Gewichtsprozentsätze und GADSL-gelistete Substanzen für jedes Bauteil dokumentieren.

  • OEMs verlangen eine IMDS-Freigabe als Teil des PPAP. Ohne validierte Materialdaten können Lieferanten keine Produktionsgenehmigung erhalten.

  • IMDS-Daten unterstützen die Compliance-Überprüfung für Vorschriften wie ELV, REACH, RoHS, TSCA und California Prop 65.

  • IMDS 15 ermöglicht den Austausch von Product Carbon Footprint (PCF)-Daten gemäß Catena-X-Standards.

Bedeutung – Was ist IMDS?

IMDS steht für International Material Data System – eine webbasierte Plattform zur Erfassung, Verwaltung und zum Austausch von Materialzusammensetzungsdaten in der Automobillieferkette. Das System wurde im Jahr 2000 von führenden Automobilherstellern gegründet und hat sich zum Industriestandard für die Berichterstattung zur Materialkonformität entwickelt.

Der primäre Zweck von IMDS ist die Transparenz über in Fahrzeugen verwendete Materialien und Substanzen. Dies ermöglicht es Automobil-OEMs, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu überprüfen, Recyclingquoten zu berechnen und fundierte Entscheidungen bei der Materialauswahl zu treffen.

Warum das IMDS-System existiert – und wer es nutzt

Das IMDS-System adressiert eine wesentliche Herausforderung in der Automobilfertigung: die Nachverfolgung von Materialzusammensetzungen über komplexe mehrstufige Lieferketten hinweg. Ohne standardisierte Berichterstattung müssten OEMs Tausende von Lieferantenerklärungen in unterschiedlichen Formaten verwalten, was zu Ineffizienz und Compliance-Risiken in der Automobilindustrie führen würde.

Wesentliche Teilnehmer im IMDS umfassen:

  • OEMs: fordern Materialdaten von Lieferanten an und validieren diese

  • Tier-1-Lieferanten: reichen Bauteilsdaten ein und fordern Informationen von Unterlieferanten an

  • Tier-2- / Tier-3-Lieferanten: stellen Informationen zu Unterbauteilen und Materialien bereit

  • Materialhersteller: liefern Erklärungen zu Grundmaterialien

IMDS-Datenanforderungen und Materialdatenblätter

Lieferanten dokumentieren die Materialzusammensetzung über Materialdatenblätter (MDS), das standardisierte Berichtsformat innerhalb von IMDS. Jedes MDS erfasst die vollständige Materialaufschlüsselung eines Bauteils – von übergeordneten Baugruppen bis hin zu einzelnen chemischen Substanzen.

Erforderliche Angaben in einem IMDS-Datenblatt umfassen:

  • Vollständige chemische Zusammensetzung nach Materialkategorie

  • Gewichtsprozentsätze für Materialien und Substanzen

  • Identifizierung deklarationspflichtiger Substanzen gemäß GADSL

  • Halbkomponentenstrukturen zur Darstellung mehrschichtiger Materialien

  • Lieferanten- und Bauteilidentifikationsinformationen

Lieferanten können MDS-Einträge manuell über die IMDS-Benutzeroberfläche oder mithilfe automatisierter Tools erstellen, die mit internen Materialdatenbanken verbunden sind.

Wesentliche Lieferpflichten umfassen:

  • Pflege eines aktiven IMDS-Unternehmenskontos

  • Erfassung von Materialdaten bei Unterlieferanten

  • Validierung von Erklärungen anhand der aktuellen GADSL-Liste

  • Einreichung von MDS innerhalb der vom OEM definierten Fristen

  • Aktualisierung der Daten bei Änderungen der Materialzusammensetzung

IMDS und PPAP – Wie sie zusammenwirken

IMDS und der Production Part Approval Process (PPAP) sind in Automobillieferketten eng miteinander verknüpft. Die meisten OEMs fordern genehmigte Materialdatenblätter als Teil der PPAP-Dokumentation, bevor sie die Serienproduktion genehmigen.

Was ist PPAP?

Der Production Part Approval Process (PPAP) ist ein Industriestandard der Automobilbranche, der dazu dient, nachzuweisen, dass der Fertigungsprozess eines Lieferanten kontinuierlich Teile produziert, die den Kundenspezifikationen entsprechen. Die PPAP-Dokumentation umfasst Maßberichte, Prozessablaufdiagramme und Materialnachweise.

Die Beziehung zwischen IMDS und PPAP funktioniert wie folgt: Lieferanten reichen technische Dokumentation über PPAP ein, während die Materialkonformität über IMDS nachgewiesen werden muss. Ohne ein genehmigtes Materialdatenblatt kann die PPAP-Freigabe nicht abgeschlossen werden.

Wesentliche Integrationspunkte umfassen:

  • MDS-Einreichung als Teil der PPAP-Dokumentation erforderlich

  • Materialfreigabe vor der Erstmusterprüfung erforderlich

  • Materialänderungen lösen eine erneute PPAP-Einreichung aus

  • IMDS-Freigabestatus wird Teil der Lieferantenqualitätsnachweise

Welche Vorschriften unterstützt IMDS?

IMDS bildet die Materialdatengrundlage für die Einhaltung von Vorschriften in der Automobilindustrie. Das System unterstützt direkt ELV-Recyclingberechnungen und die GADSL-Substanzverfolgung und ermöglicht die Compliance-Überprüfung für verschiedene globale Vorschriften.

Wesentliche unterstützte Vorschriften umfassen:

  • REACH (EU): Materialdaten ermöglichen die Identifizierung von besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC) und die Erfüllung von Anforderungen gemäß Artikel 33

  • RoHS (EU & globale Varianten): Bauteilmaterialerklärungen unterstützen die Überprüfung von Beschränkungen gefährlicher Stoffe in elektrischen und elektronischen Bauteilen

  • ELV-Richtlinie: Direkte Integration ermöglicht Recyclingberechnungen und Substanzbeschränkungsprüfungen

  • TSCA (USA): Materialzusammensetzungsdaten unterstützen die Verfolgung chemischer Substanzen gemäß den US-EPA-Anforderungen

  • California Prop 65: Substanzerklärungen zur Unterstützung von Warnhinweisbewertungen

  • GADSL: Direkter Abgleich mit der Global Automotive Declarable Substance List, die von Industriekonsortien gepflegt wird

Über die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften hinaus unterstützt IMDS zunehmend Nachhaltigkeitsinitiativen. Das IMDS-15-Update hat Funktionen zum Austausch von Product Carbon Footprint (PCF)-Daten eingeführt, die mit den Catena-X-Standards abgestimmt sind.

 


 

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Vorteile und Herausforderungen der IMDS-Implementierung

IMDS bietet erheblichen strategischen Mehrwert, bringt aber auch operationelle Komplexität für Lieferanten mit sich, die Materialdaten in globalen Lieferketten verwalten.

 Vorteile   Herausforderungen 
Marktzugang durch OEM-Akzeptanz Datenerfassung über mehrstufige Lieferanten
Automatisierte RRR-Konformität gemäß ISO 22628 Ressourcenbedarf für dediziertes Personal
Zentralisierte Daten reduzieren redundante Einreichungen IMDS-Systemkomplexität erfordert kontinuierliche Schulungen
Früherkennung von Risiken verhindert kostspielige Rückrufe Systemaktualisierungen erfordern Prozessanpassungen
PCF-Integration unterstützt ESG-Berichterstattung Nachgelagerte Lieferanten zur Teilnahme überzeugen

Erfolgreiches IMDS-Management erfordert strukturierte Daten-Governance, dedizierte Ressourcen und digitale Tools, die Validierungs- und Einreichungsworkflows automatisieren.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer muss IMDS-Daten einreichen?

Jeder Lieferant, der Materialien oder Bauteile an Automobil-OEMs liefert, muss Daten über IMDS einreichen. Dies umfasst Tier-1-Lieferanten, Unterlieferanten und Materialhersteller.

Welche Informationen werden in IMDS benötigt?

Lieferanten müssen die vollständige Materialzusammensetzung von Bauteilen einreichen, einschließlich Gewichtsprozentsätzen, deklarationspflichtiger Substanzen gemäß GADSL und Lieferantenidentifikationsdetails.

Was ist ein IMDS-Materialdatenblatt (MDS)?

Ein MDS dokumentiert die vollständige Materialaufschlüsselung eines Bauteils von der Baugruppenebene bis hin zu einzelnen chemischen Substanzen.

Wie hängen IMDS und PPAP zusammen?

Die meisten OEMs verlangen genehmigte IMDS-Einreichungen als Teil der PPAP-Dokumentation. Ohne validierte Materialdaten können Lieferanten keine Produktionsgenehmigung erhalten.

Jan Horst Schnakenberg

Jan Horst Schnakenberg

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