Wie erreicht man eine nachhaltige Produktion?

Wie erreicht man eine nachhaltige Produktion?

Industrielle Technik und die Herstellung von Produkten ist immer mit der Gewinnung und dem Verbrauch von Rohstoffen aus der Natur und der Nutzung von Flächen verbunden. Darüber hinaus werden während des Produktionsprozesses und entlang der gesamten Lieferkette Schadstoffe in Boden, Luft und Wasser emittiert.

Nachhaltige Produktion: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Nachhaltige Produktion bedeutet, Güter so herzustellen, dass natürliche Ressourcen geschont und die Regenerationsfähigkeit der Umwelt erhalten bleibt.

  • Zentrale Ziele sind Emissionsvermeidung, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und der Erhalt biologischer Vielfalt – ergänzt um faire Arbeitsbedingungen in der Lieferkette.

  • EU-Regularien wie CSRD, CSDDD und CBAM verpflichten Unternehmen zunehmend zu messbarer Nachhaltigkeitsleistung und transparenter Berichterstattung.

  • Methoden wie Ökobilanzen (LCA), Product Carbon Footprints (PCF) und Stoffstromanalysen helfen, Umweltwirkungen zu messen und gezielt zu reduzieren.

  • Der gesamte Produktlebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung – muss in die Nachhaltigkeitsbewertung einbezogen werden.


 

Was ist nachhaltige Produktion?

Ziel einer nachhaltigen Produktion ist es, dass die Herstellung von Gütern ressourcenschonend erfolgt und die Regenerationsfähigkeit der Umwelt erhalten bleibt. Dies sichert die natürlichen Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen.

Das Konzept geht auf das Nachhaltigkeitsziel 12 der Vereinten Nationen (SDG 12) zurück, das nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster als globales Entwicklungsziel definiert. Für produzierende Unternehmen bedeutet das: eine neue Herangehensweise an Forschung, Design und Fertigung – und zunehmend auch eine gesetzliche Verpflichtung.


 

Ziele einer nachhaltigen Produktion

Eine umweltverträgliche Produktion verfolgt mehrere einander bedingende Einzelziele:

  • Vermeidung von schädlichen Emissionen in die Umwelt
  • Effiziente Nutzung von Energie und Ressourcen
  • Umstieg auf erneuerbare Energien
  • Nutzung von nachhaltig produzierten Ressourcen
  • Abfallvermeidung und Schaffung von Stoffkreisläufen & Recycling
  • Wiederherstellung und Erhalt der biologischen Vielfalt der Ökosysteme
  • Faire Arbeitsbedingungen und Einhaltung von Menschenrechten entlang der gesamten Lieferkette


 

Chancen und Vorteile für Unternehmen

Nachhaltige Produktpolitik bietet für Unternehmen eine Vielzahl von Chancen und Vorteilen:

  • Kostensenkung durch verbesserte Material- und Energieeffizienz
  • Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz
  • Anpassung an verändertes Konsumverhalten der Verbraucher
  • Steigerung der Attraktivität für Fachkräfte

Nachhaltige Produkte sichern den langfristigen Erfolg des Unternehmens!


 

Regulatorischer Rahmen für Unternehmen

Nachhaltige Produktion ist längst keine freiwillige Entscheidung mehr. Eine Reihe von EU-Regularien schafft verbindliche Pflichten für produzierende Unternehmen – mit konkreten Konsequenzen bei Nichteinhaltung.

CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive: Große Unternehmen müssen ab dem Geschäftsjahr 2025 umfassende Nachhaltigkeitsberichte vorlegen, die sowohl Umweltwirkungen als auch soziale Aspekte abdecken. Grundlage sind die Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS). Ab 2026 werden kapitalmarktorientierte KMU schrittweise einbezogen.

CSDDD – Corporate Sustainability Due Diligence Directive: Die EU-Sorgfaltspflichtrichtlinie verpflichtet Unternehmen, ihre gesamte Lieferkette auf Menschenrechts- und Umweltverstöße zu prüfen. Nach der Omnibus-Vereinfachung vom Februar 2026 gilt die Richtlinie für Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Nettoumsatz von über 1,5 Milliarden Euro.

CBAM – CO₂-Grenzausgleichsmechanismus: Seit dem 1. Januar 2026 werden für den Import emissionsintensiver Güter wie Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel und Wasserstoff Einfuhrabgaben fällig. Der Mechanismus soll die Verlagerung CO₂-intensiver Produktion in Drittstaaten verhindern. Für Unternehmen mit internationalem Einkauf wird die Erfassung von Scope-3-Emissionen damit zur operativen Notwendigkeit.

Ökodesign-Verordnung & Digitaler Produktpass (DPP): Ab 2027 müssen erste Produktgruppen – darunter Batterien, Textilien und Elektrogeräte – einen Digitalen Produktpass mitführen, der Informationen zu Herkunft, Zusammensetzung, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit enthält.


 

Umwelt- und Effizienztechnologien

Die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele erfordert eine allumfassende Modernisierung der Produktionssysteme und des gesamten Wirtschaftens. Neue Umwelt- und Effizienztechnologien spielen dabei eine Schlüsselrolle. Im Folgenden einige Beispiele:

  • Elektro- und Brennstoffzellenantriebe
  • Elektrochemische und thermische Speicherung von Energie
  • Kraft-Wärme-Kopplung
  • Biokunststoffe und Verbundwerkstoffe
  • Digitale Vernetzung der Systeme und Lieferketten

 

Konzepte & Methoden

In der Literatur sowie in der Praxis existieren diverse Konzepte, Methoden & Instrumente, um die Herstellung von Gütern umweltfreundlicher zu gestalten. Diese zielen zumeist auf eine Verbesserung der Material- und Energieeffizienz sowie auf eine Reduzierung der Umweltbelastung ab:


 

Der Produktlebenszyklus – von der Wiege bis zur Bahre

Um eine nachhaltige Produktion zu schaffen, reicht es nicht aus, nur die Herstellungsphase des Produkts zu betrachten. Vielmehr muss der gesamte Lebenszyklus in die Analyse und Bewertung einbezogen werden.

  • Produktentwicklung & Design
  • Beschaffung von Rohstoffen
  • Produktion
  • Vertrieb & Logistik
  • Produktnutzung    
  • Entsorgung & Recycling

Das Cradle-to-Cradle-Prinzip geht dabei noch einen Schritt weiter: Es ersetzt die klassische lineare Wertschöpfungskette durch geschlossene Materialkreisläufe, in denen Produkte und Rohstoffe dauerhaft im System verbleiben.


 

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Häufig gestellte Fragen

Was ist nachhaltige Produktion?

Nachhaltige Produktion bezeichnet die ressourcenschonende Herstellung von Gütern, bei der die Regenerationsfähigkeit der Umwelt erhalten bleibt. Sie umfasst Emissionsvermeidung, Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und faire Arbeitsbedingungen in der Lieferkette.

Was bedeutet nachhaltige Produktion für Unternehmen?

Für Unternehmen bedeutet nachhaltige Produktion eine ganzheitliche Neuausrichtung von Produktdesign, Fertigung und Lieferkette. Ressourceneffizienz senkt Kosten, und nachhaltig agierende Unternehmen sichern sich Wettbewerbsvorteile sowie besseren Zugang zu nachhaltigkeitsorientierten Märkten und Investoren.

Welche Maßnahmen fördern eine nachhaltige Produktion?

Wirksame Maßnahmen umfassen den Umstieg auf erneuerbare Energien, die Einführung von Kreislaufwirtschaftsprinzipien sowie Ökobilanzen (LCA), Stoffstromanalysen und Product Carbon Footprints zur Messung und Optimierung der Umweltleistung.

Wie können Unternehmen ihre Produktion nachhaltiger gestalten?

Unternehmen starten am besten mit einer Analyse des Status quo: Wo entstehen die größten Umweltwirkungen im Produktlebenszyklus? Auf Basis von LCA-Daten und Stoffstromanalysen lassen sich gezielte Verbesserungsmaßnahmen in Design, Materialeinsatz und Fertigung ableiten.

Welche gesetzlichen Anforderungen gelten für nachhaltige Produktion?

Zentrale EU-Regularien sind die CSRD (Nachhaltigkeitsberichterstattung ab Geschäftsjahr 2025), die CSDDD (Lieferkettensorgfaltspflicht für Großunternehmen) sowie der CBAM (CO₂-Grenzausgleich seit Januar 2026). Ab 2027 kommen Digitale Produktpässe für erste Produktgruppen hinzu.

Was sind Beispiele für nachhaltige Produktion in der Industrie?

Typische Beispiele sind die Umstellung auf erneuerbare Energien in der Fertigung, der Einsatz von Rezyklaten statt Primärrohstoffen, die Einführung der Materialflusskostenrechnung (MFCA) zur Identifikation von Verlustquellen sowie Ökobilanzen für das gesamte Produktportfolio.

Jan Horst Schnakenberg

Jan Horst Schnakenberg

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